#EventTip: DENIS SAVARY UND ANITA MOLINERO IM KUNSTMUSEUM LA CHAUX-DE-FONDS

DENIS SAVARY – HOUNDINI

Die Arbeit von Denis Savary entsteht durch zwei strukturelle Aktivitäten: Zeichnung und Video. Zwei nomadische Handlungen, deren Ergebnisse in zwei Schuhschachteln passen würden. Der Ausstellungsansatz besteht darin, diese zwei “Schachteln” auf die Dimensionen der zwei grossen Räume des Erdgeschosses zu vergrössern. Diese zwei sich gegenüberliegende Räume funktionieren wie zwei Hemisphären, heiss und kalt, ländlich und stellar, häuslich und wild. Im einen Raum projektieren sechs Videokanäle eine Reihe von Filmen, in denen der Künstler ohne Inszenierung seine Umgebung aufnimmt. Der Besucher wird von einem kakophonischen Panorama bescheidener Inkongruenzen umgeben, in dem zerschmetterte Glaskugeln und stillstehende Feuerwerke wie orakelhafte Wegweiser den Takt angeben. Im anderen Raum wurden alle Zeichnungen von Savary als Tapete auf die Wände gezogen. Diese winzigen Zeichnungen, in Cyan gedruckt, verleihen dem Raum einen polaren Ton. Sie bilden eine narrative Landschaft als Hintergrund zur surrealistischen Begegnung zwischen dem tanzenden Mahaha und der frisch gelandeten Mae. Der magische Effekt des Eintauchens in ein überdimensioniertes Bildfeld liefert einen Schlüssel zum Titel der Ausstellung. Houdini, Champion der Flucht, hält Grössenverhältnisse und Räumlichkeit zum Narren. Die Hallen schwingen zwischen der Anspielung auf ein Äusseres und ein Inneres, den Lichtern der Stadt und den Flammen des Krematoriums, einem riesigen Spielbrett und schlafenden Hunden. Wie in einem gemischten Satz Tarot-Karten durchkreuzen sich die Schicksale von Savarys Werken, sie bilden ein Kartenhaus, in dem die Haltungen umgekehrt werden und erzeugen so eine unsichere Erzählung, eine Störung im Stand der Dinge.

Denis Savary wurde 1981 in Granges-Marnand (VD) geboren. Er lebt und arbeitet in London und Genf.

ANITA MOLINERO – DIE ROTE INSEL

Anita Molinero arbeitet an der Skulptur; sie sucht nach neuen Gestaltungsmöglichkeiten durch die Verformung von Gegenständen und die Veränderung von Materialien, meistens durch Feuer, und erforscht dabei die gegensätzlichen Kräfte des Feuers, welches das Material verflüssigt bevor es es aushärtet. Der Punk-Energie ihrer frühen Tage folgt ein ökologisches Anliegen. In den achtziger Jahren wurden gesammelte Abfälle zu Kunstwerken zusammengestellt, um die Skulptur an sich sowie ihre maskulinen und förmlichen Attributen ins Lächerliche zu ziehen. In dieser Arbeit mit Mülltonnen, Strassenmöbeln oder Baumaterialien bezeichnet Molinero Abfall als Horizont menschlicher Aktivität, und ihre Faszination verbirgt ein Zittern. Obschon sich Kunststoffe vermehrt und unsere Welt wie ein Science-Fiction-Monster erobert haben , verzichtet die Künstlerin darauf, Lektionen zu erteilen. Sie illustriert das Monster durch sein eigenes Material, konzentriert sich auf die Veränderungen und beobachtet, wie es auf die Katastrophe hinausläuft. Ihre unbrauchbaren Mülltonnen sind Blüten, Drachen oder riesige Würmer. Sie schlängelten sich durch die Gärten des Schlosses von Versailles, bevor sie als aufständische Enklave in La Chaux-de-Fonds ankamen. Die Arbeit von Anita Molinero ist aggressiv und widersprüchlich, sie scheint sich eines nekrophilen Chaos zu erfreuen. Trotzdem verbirgt sich hinter diesem Aufbegehren eine humanistische Betroffenheit.

Anita Molinero wurde 1953 in Floirac geboren, sie lebt und arbeitet in Paris.

Droits réservés - Ville de La Chaux-de-Fonds


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Quelle: Mba

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