#EventTip – KUNSTHALLE BERN: ISA GENZKEN

Isa Genzken

23. Februar – 28. April 2019

 

Isa Genzken (*1948, Bad Oldesloe) vermag mit der Vielfalt ihres Schaffens immer wieder zu ĂŒberraschen. Die KĂŒnstlerin hat seit den 1970er Jahren in ihrer Arbeit verblĂŒffende Wandlungen vollzogen und zugleich ein konsequentes Werk entwickelt. Ihre Praxis umfasst Fotografie, Film, Malerei und Arbeiten auf Papier, im Zentrum ihres Schaffens steht jedoch das Interesse am Potential von Skulptur, an den skulpturalen Aspekten von Architektur und Dingen. Wie beeinflussen Architektur, Design und Kunstwerke eine Umgebung, wie prĂ€gen sie die eigene Selbstwahrnehmung? Es handelt sich um Fragen nach der Beziehung zwischen dem Individuum und der Welt, denen sie etwa in den zahlreichen Arbeiten, die das Fenster als Motiv aufgreifen, Ausdruck verleiht. Genzkens Arbeiten können klein und modellhaft sein oder monumentale Dimensionen annehmen, wenn es sich um Werke fĂŒr den öffentlichen Raum handelt. Skulpturen, die im Innenraum funktionieren, lassen sich oft in der Vorstellungskraft der Betrachter*innen vergrössert denken.

Genzken ist mit der Zeit gegangen und hat gleichzeitig ein ganz erstaunlich eigenstĂ€ndiges Werk entwickelt, eine Haltung, die dazu fĂŒhrte, dass sie einen kaum zu unterschĂ€tzenden Einfluss auf jĂŒngere KĂŒnstler*innen ausĂŒbt. Im Video «Warum ich keine Interviews gebe» von 2003 befragt der KĂŒnstler Kai Althoff Genzken zu dem von ihr formulierten Anspruch, ihre Arbeit solle «modern» sein. Hat die KĂŒnstlerin in ihren AnfĂ€ngen noch die Moderne und ihre AuslĂ€ufer reflektiert, verweist der Begriff in Bezug auf ihre gegenwĂ€rtige Arbeit eher darauf, wie zeitlos diese wirkt.

Die Ausstellung in der Kunsthalle Bern konzentriert sich auf eine PrĂ€sentation von beinah vierzig Modellen ihrer Projekte fĂŒr den Aussenraum seit den 1980er Jahren. Es handelt sich um Arbeiten fĂŒr öffentliche und private AussenrĂ€ume, von denen viele realisiert wurden, andere jedoch nicht umgesetzt werden konnten. Sie zeigen, wie feinfĂŒhlig, genau, poetisch und humorvoll Isa Genzken in ihren Arbeiten und VorschlĂ€gen auf StadtrĂ€ume und Architektur eingeht. Anhand der Modelle entfalten sich aber auch ErzĂ€hlungen ĂŒber die mit Kunst im öffentlichen Raum verbundenen architektonischen Herausforderungen und HĂŒrden, ĂŒber die auszufechtenden KĂ€mpfe und ĂŒber die persönlichen Empfindlichkeiten jener, die ĂŒber die Umsetzung der Werke entscheiden. Zudem kristallisiert sich an den Modellen auch heraus, wie Isa Genzkens Arbeit sich im Laufe der Zeit verĂ€ndert hat und welche Werkstoffe sie in verschiedenen Phasen interessierten.

Die Modelle werden in der Ausstellung um eine Auswahl mit diesen korrespondierender Video-Arbeiten, Fotografien, Malereien, Collagen und Skulpturen bereichert. Sie eröffnen einen erweiterten Blick auf Isa Genzkens Faszination an stĂ€dtischen RĂ€umen, ihren Fassaden, den plastischen QualitĂ€ten von Architektur und den architekturnahen Aspekten von Skulptur. Gerade in den Video-Arbeiten glaubt man Genzken als Mensch zu erleben und tut es vielleicht auch. Noch mehr verdeutlichen diese theatralischen Inszenierungen aber, wie sehr in ihrem Werk selbst das scheinbar BeilĂ€ufige und Improvisierte immer die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen der Kunst beinhaltet. Es sind im klassischen Sinne Dramen, in denen die Person nie direkt, sondern immer nur in der Übersetzung durch die Form der Maske sprechen kann.

Isa Genzkens Außenprojekte wurden 2015 erstmals in Modellform als Beitrag der KĂŒnstlerin im Hauptpavillon der 56. Biennale in Venedig gezeigt und 2016 in der Einzelausstellung Modelle fĂŒr Außenprojekte in der Bundeskunsthalle Bonn ausgestellt.
Isa Genzken wurde vom Nasher Sculpture Center in Dallas mit dem Nasher Prize 2019 ausgezeichnet. 2017 wurde ihr der Kaiserring – Kunstpreis der Stadt Goslar verliehen. Institutionelle Einzelausstellungen zeigte sie zuletzt unter anderem im Martin Gropius Bau, Berlin (2016), im Stedelijk Museum, Amsterdam, im Institute of Contemporary Arts, London (beide 2015), im MMKMuseum fĂŒr Moderne Kunst, Frankfurt a. M. (2015) sowie im Museum der Moderne, Salzburg, in der Kunsthalle Wien, Wien (beide 2014), in der Whitechapel Art Gallery, London und dem Museum Ludwig, Köln (beide 2009).
Ihre Retrospektive war im Museum of Modern Art, New York (2013), im Museum of Contemporary Art in Chicago (2014) und im Dallas Museum of Art (2014/2015) zu sehen.
Isa Genzken nahm an den Skulptur Projekten in MĂŒnster (1987, 1997 und 2007) sowie an der documenta 7, 9 und 11 (1982, 1992 und 2002) teil, sie vertrat Deutschland auf der 52. Biennale in Venedig (2007) und nahm an der Gruppenausstellung der 56. Biennale in Venedig (2015), der 9. Berlin Biennale und der Biennale in Montreal (beide 2016) teil.

Bild: Isa Genzken, Untitled, 2018
Courtesy Galerie Buchholz, Cologne / Berlin / New York
© 2018, ProLitteris, Zurich

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