#EventTip: REALITY CHECK IM KUNST MUSEUM WINTERTHUR

Reality Check Materialwelten in der Kunst von Jean Tinguely bis Dieter Roth 26.1.– 22.4.2019, Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus

«Reality Check» bezeichnet den Moment der ErnĂŒchterung, wenn sprichwörtlich der Traum platzt, sich die Vorstellung an den RealitĂ€ten bricht. Der Reality Check im Kunst Museum Winterthur wendet sich der materiellen Wirklichkeit der Dinge zu: Von Jean Tinguely ĂŒber John Chamberlain und Eva Hesse bis zu zeitgenössischen Positionen ist eine spannende Tour d’horizon zum Umgang der Kunst mit alltĂ€glicher Dinglichkeit zu erleben. 

Jacques Villeglé *1926 De Raphaël à Mathieu, 1965
Jacques VilleglĂ© *1926 De RaphaĂ«l Ă  Mathieu, 1965 Kunst Museum Winterthur Geschenk von Alfred R. Sulzer © 2019, ProLitteris, ZĂŒrich
Medienorientierung zur Ausstellung 

Donnerstag, 24. Januar 2019, 11 Uhr oder individuelle FĂŒhrung auf Anmeldung Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus, Museumstrasse 52, 8400 Winterthur

Als Marcel Duchamp 1917 ein handelsĂŒbliches Urinal dem New Yorker Publikum als Kunst vorstellte, stand die Kunstwelt Kopf. Die alltĂ€gliche RealitĂ€t brach unvermittelt in die Hochkultur ein – mit weitreichenden Folgen fĂŒr die Moderne. Den Nachwirkungen dieser epochalen Geste geht die Ausstellung Reality Check anhand ausgewĂ€hlter Werke von den 1950er Jahren bis heute nach.

Im Zentrum der Ausstellung steht der Umgang mit alltĂ€glichem, teils vorgefundenem Material, das auf unterschiedlichste Art und Weise in Kunst ĂŒbersetzt wird. Neben Werken von Marcel Duchamp (1887 – 1968) und den spielerisch-ironischen Adaptionen durch Richard Hamilton (1922 – 2011) bietet die PrĂ€sentation in fĂŒnf RĂ€umen einen abwechslungsreichen Rundgang durch die Kunst von der Nachkriegszeit bis heute. Auftakt bildet Jean Tinguely (1925 – 1991) mit seiner kauzigen MaschinenSkulptur, die Metallschrott zu einer seiner typischen kinetischen Plastiken vereint: das Totem No 2 oder Dr wild Ma. Sie entstand 1960, dem Jahr des Manifests der «Nouveaux RĂ©alistes». Der Bewegung, die als Reaktion auf die als selbstbezogen empfundene Malerei des Informel entstand, schlossen sich die Affichisten Raymond Hains (1926 – 2005), Jacques VilleglĂ© (*1926) und Mimmo Rotella (1918 – 2006) ebenso an wie Daniel Spoerri (*1930). Sie gehörten zu den Wegbereitern einer Kunst, die sich direkt mit alltĂ€glichen GegenstĂ€nden auseinandersetzt. In der 1950er Jahren begannen die Affichisten, Plakate stĂŒckweise abzureissen und diese mitsamt der Wand als Kunstwerk zu deklarieren. Damit prĂ€gten sie ein völlig neues VerstĂ€ndnis dessen, was «RealitĂ€t» und «Realismus» in der Kunst bedeuten.

Auch der amerikanische KĂŒnstler John Chamberlain (1927 – 2011) bearbeitete ab Ende der 1950er Jahre die Dingwelt in direkter Weise, indem er Autoschrotteile zu Metallskulpturen zusammenschweisste. Dem geradezu expressiven Gestus und dem unmittelbaren Umgang mit den Dingen antworteten Imi Knoebel (*1940) und Luciano Fabro (*1936) mit einer dezidiert europĂ€ischen Haltung, die AlltagsgegenstĂ€nde in beziehungsreichen Konstellationen verband. Eine Vermittlerposition zwischen den Kontinenten nahm dabei das Werk von Eva Hesse (1936 – 1970) ein, die in Deutschland geboren wurde und spĂ€ter in Amerika einen bedeutenden Beitrag bei der Erforschung bislang unerprobter Werkstoffe und kĂŒnstlerischer Prozesse leistete.

Die Gegenwartskunst greift die von der Nachkriegsmoderne erforschten Werkstoffe und -prozesse auf, um sie in immer neuen Kombinationen weiterzuentwickeln, so beispielsweise Pedro Cabrita Reis (1956), Manfred Pernice (*1963) oder Reto Boller (*1966). Sie alle sind mit eindrĂŒcklichen Einzelwerken bzw. konzisen Werkgruppen in Reality Check zu sehen.

Parallel zur ersten umfassenden Einzelausstellung des belgischen KĂŒnstlers Koenraad Dedobbeleer zeigt das Kunst Museum Winterthur mit Reality Check eine SammlungsprĂ€sentation, die sich der materiellen Wirklichkeit in der Kunst zuwendet.

Vernissage Freitag, 25.1.2019, 18.30 Uhr zusammen mit der Eröffnung von Koenraad Dedobbeleer Kunst Museum Winterthur | Beim Stadthaus, Museumstrasse 52, 8400 Winterthur

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